Bettwäsche

Was hat ein Orga-Komitee nicht alles für spannende Aufgaben. Alle, die schon einmal Mitglied in einem solchen waren, schrecken instinktiv vor einer weiteren Verpflichtung zurück, aus gutem Grund.

Am ersten Camptag stapelte das Rieneck-Komitee sorgfältig die Bettwäsche auf drei verschiedene Tische, streng geteilt in einen Haufen mit Kopfkissenbezügen, einen Haufen mit Bettbezügen und einen Haufen mit Laken. In freudiger Erwartung der Teilnehmer dachten sich alle: „Wunderbar, wir zeigen auf die drei Haufen und jeder nimmt sich ein Teil von jedem Haufen.“

Salomon hätte es auch nicht besser gekonnt, aber es gibt ja noch den Gro: „Äh, die raffen das nicht. Laßt uns lieber die drei Haufen mit je einem DIN-A4-Zettel beschriften, der die Aufschrift Kopfkissen, Bettbezug bzw. Laken trägt.“ Nach leichtem Sträuben wurde dem Vorschlag stattgegeben.

Das Komitee beobachtete in der darauffolgenden Zeit zwei Phänomene: Es gibt Zocker, die sich zwei Laken nehmen und solche, die sich zwei Bettbezüge nehmen. Ein Versehen kann es nicht sein, denn alle drei Haufen waren riesengroß beschriftet. Es erhebt sich daher die Frage nach dem Motiv eines solchen Vorgehens. Da ich die Betroffenen nicht öffentlich bloßstellen wollte, habe ich mir ein paar mögliche Gründe zurechtgedacht, die das Phänomen einigermaßen befriedigend erklären.

Betrachten wir zuerst den Fall der zwei Bettbezüge. Was macht man eigentlich damit? Man umhüllt etwas. Aha! Da haben wir‘s. Da nur eine Decke vorhanden ist, aber zwei Bezüge genommen wurden, wird also nicht nur die Decke umhüllt, sondern auch noch etwas anderes. Der Bettbezug als Ganzkörperkondom ist eine verblüffend einfache Lösung, die vielen Probleme in den Griff zu kriegen, die bei Benutzung einer Matratze durch mehrere (meistens zwei) Personen entstehen: keine Berührung der durch den Schweiß klebrig gewordenen Haut, keine Vorwürfe von Schwanz- bzw. Tittenfixierung, keine Probleme mit Essenresten, die man beim Knutschen in den Zahnlücken des anderen findet. Wenn man den Bezug vorher noch mit Haarspray bearbeitet und ihn so wasserundurchlässig macht, ist auch noch die Infektionsgefahr gebannt. Bei dem Intelligenzgrad der Zocker verwundert es nicht, dass noch nicht viele die Vorteile dieser Methode erkannt haben.

Wenden wir uns nun dem zweiten Fall zu: zwei Laken. Die natürliche Verwendung eines Lakens ist, den Körper von der Matratze räumlich zu trennen. Wozu ist das nötig? Eine rhetorische Frage, natürlich kennt jeder die Situationen, die ein Laken fleckig machen. Was macht man aber mit dem zweiten Laken? Die Theorie, daß nach dem Durchweichen des ersten Lakens das zweite genommen wird, erscheint mir nicht plausibel. Die Erinnerung an ein paar schlechte Filme brachte mich auf eine bessere Idee: Ein Laken kann man prima in Streifen reißen und zu einem langen Seil verknoten. Damit läßt sich die zufällig gerade anwesende zweite Person wunderbar ans Bett fesseln und knebeln. Auch hier sind die Vorteile unübersehbar: Es gibt keine Diskussionen, wer will und wer nicht. Die Nachbarzimmer werden nicht gestört. Eine plötzliche Flucht wegen einer Umentscheidung wird verhindert. Wie bei der ersten Methode hält sich auch die Verbreitung dieser Methode bisher in Grenzen.

Als ich über diese ganzen Sachen nachdachte, fragte ich mich, warum noch niemand auf die Idee gekommen ist, beide Verfahren zu kombinieren. Es ist eine Tatsache, den es hat niemand zwei Bettbezüge und zwei Laken genommen.

Autor: Frank Pioch aus: Zocker 1, verfasst am: 03. August 1999

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